Architektur als Argument der Literaturwissenschaft

Der Fall Kafka

Zwischen Protagonisten und Architektur bildet sich in Kafkas Werken eine performative Wechselbeziehung aus. Dies veranschaulicht Prof. em. Dr. Gerhard Neumann an den Erzählungen „Ein altes Blatt“, „Das Urteil“ und „Beim Bau der chinesischen Mauer“.  Zum einen kann Architektur als die Handlung einrahmende narrative Struktur einen wesentlichen Beitrag zur Subjektkonstitution darstellen, beispielsweise bei dem kontemplativen Blick aus dem Fester oder in Form einer Brücke, von der ein Selbstmord vollzogen und in der Metapher des Übergangs versinnbildlicht wird. Gleichzeitig kann der Akt des Bauens zu einer Gemeinschaftserfahrung dienen, verbunden mit der Intention sich bei dem schützenden Bau einer Mauer nach außen abzugrenzen oder die eigene Kultur im Wohnhausbau in Abgrenzung zur Natur zu definieren.

Indem Gerhard Neumann ein Bewusstsein über die vielschichtigen Bedeutungsformen, die Architektur in der Literatur einnehmen kann, weckt, leistet er einen eindrucksvollen Beitrag zur Vorlesungsreihe „Windows on architecture. Erkundungen in transdisziplinärer Perspektive“. Prof. Dr. Susanne Hauser (UdK) und Dr. Julia Weber (FU) vertreten bei der Veranstaltung der Ringvorlesung gerade die Intention, interdisziplinäre Sichtweisen auf Architektur zu vereinen und zu diskutieren.

http://bauformen-der-imagination.de/lecture-series-windows-on-architecture/