Henri Bergson: Intuition und Spekulation

Der erste Teil des Workshops widmete sich der wissenshistorischen und philosophiegeschichtlichen Situierung dieses Konzepts durch einen Vergleich mit dem von Henri Bergson zugrunde gelegten Begriff der Intuition sowie dem Erfahrungs- und Glaubensbegriff bei William James (Rebekka Ladewig: „Glauben – Können – Wissen. Passagen des Impliziten bei Michael Polanyi“; Kathrin Thiele: „Henri Bergson. Intuition und Spekulation“; Melanie Sehgal: „Wissen als Glauben bei William James“). Im Vordergrund stand dabei die Auseinandersetzung der drei Autoren mit einem objektivistischen Wissensbegriff und Erkenntnisideal. Ging es Polanyi darum, die Unvollständigkeit dieses Ideals herauszustellen (‚theory of incompleteness‘) und die persönliche Bedingtheit wissenschaftlichen Wissens sichtbar zu machen, dessen Herstellung er als einen aktiven Prozess dachte (‚knowledge‘ vs. ‚knowing‘), so wurde der Intuitionsbegriff Bergsons als methodische Kategorie eines (metaphysischen) Denkens perspektiviert, welches seinerseits als ‚Aktion‘ (vs. ‚Reflexion‘) aufzufassen ist. Zugleich ließen sich Anschlüsse zwischen James’ Begriff des Glaubens (als ‚Für-wahr-halten und Hingabe an den Erkenntnisgegenstand) und dem so genannten ‚fiduciary program‘ bei Polanyi herstellen, die dem Prozess der Wissensgenerierung zugrunde liegen und sich durch eine konstitutive Uneinholbarkeit auszeichnen.