Die Robinsonade

Auf den ersten Blick scheint die Robinsonade ein fragwürdiger Kandidat für eine soziologische Gründungszene zu sein. Einerseits handelt es sich bei der Robinsonade um eine konkrete Szene mit einer spezifischen Problemlage, dem Leben und Überleben von Menschen in der Isolation. Andererseits stellt die Robinsonade eine literarische Fiktion dar, in welcher von gesellschaftlichen Zusammenhängen abstrahiert wird. Dennoch zeigt Binder in seinem Statement, wie sich dieses Gedankenexperiment in ökonomischer wie soziologischer Theoriebildung (vgl. Berger & Luckmann) einer großen Beliebtheit erfreut.

 

Zur Tagung: Soziologische Theorien entstehen nicht aufgrund abstrakter Modellierungsfragen, sondern nehmen ihren Ausgang von konkreten Problemlagen. Sie adressieren, beschreiben und inszenieren einen Ausschnitt der sozialen Welt, der ohne ihre Hilfe unsichtbar oder unverständlich bliebe. Im analytischen Zentrum vieler Theorien steht eine unverwechselbare »Gründungsszene«, ein reales Bezugsproblem, das die Theoriebildung motiviert, anleitet und erdet. Gründungsszenen sind also empirisch prägnante Miniaturen soziologisch virulenter Fragen und Phänomene. Die Arbeitstagung zielt auf die Markierung und Entfaltung solcher Schaltstellen und macht sie zum Ausgangspunkt einer interparadigmatischen Diskussion.
Organisiert wurde die Arbeitstagung der Sektion „Theoretische Soziologie“ der DGS von Sina Farzin (Bremen) und Henning Laux (Jena).