Dokumentarische Subjektivierung

Maria Muhle über den Zusammenhang zwischen dokumentarischer Fiktion und Subjektivierung. Dabei werden Michel Foucaults Überlegungen zu den Konsequenzen der bürokratischen “mise en document” dargestellt, die die Körper diszpliniert und festschreibt. Mit Jacques Rancière geht es anschließend um die im ästhetischen Dokumentarismus mögliche Geste der Entidentifizierung, die an Arbeiten des libanesischen Künstlers Rabih Mroué weiter verfolgt wird.

Ein Beitrag zu der Konferenz “Beyond Evidence. The Documentary in Art”, organisiert von Daniela Hahn, Internationales Graduiertenkolleg “InterArt”, Institut für Theaterwissenschaft, Freie Universität Berlin, Tagungsabstract:

Seit einigen Jahren zeichnet sich in den Künsten wie auch in kultur- und kunstwissenschaftlichen Debatten ein zunehmendes Interesse an dokumentarischen Praktiken ab. Vor diesem Hintergrund wendet sich die interdisziplinäre Tagung den Relationen von Dokumentarismus und einer Medien- und Wissensgeschichte des Visuellen zu. Der Begriff der Evidenz ist in diesem Kontext geeignet, die Verfahren der Sichtbarmachung und Darstellung sowie die Strategien der Beglaubigung und des Beweises zu untersuchen, wie sie für dokumentarische Praktiken kennzeichnend sind. In dieser Erkundung von Prozessen der Evidenzproduktion im Dokumentarischen treten gerade jene Ambivalenzen von Augenfälligkeit und Opazität, von Wahrscheinlichkeit und Wahrheit, von Beglaubigung und Zweifel in den Blick, die eine einfache Referenzlogik von Repräsentation und Repräsentiertem suspendieren.